Judith Brockmann, 45.

Mama. Harmoniemensch.

Eigene Zahnarztpraxis.

Dr. Judith Brockmann ist seit über 15 Jahren selbstständig. Nach drei Jahren Assistenzzeit bzw. im Anstellungsverhältnis war die Zahnärztin elf Jahre freiberuflich in einer Gemeinschaftspraxis ohne Kapitalbeteiligung tätig. „Einerseits war es eine tolle Symbiose, ich konnte von meinem erfahrenen zahnärztlichen Partner sehr viel lernen. Andererseits war ich nicht ganz frei in meinen Entscheidungen“, gibt Judith Brockmann rückblickend zu. Mit der Übernahme einer Praxis in Lienen-Kattenvenne hat sich das grundlegend geändert. „Ich muss nicht mehr müssen – ich darf‘s! Ich kann’s!“ Nebst der Entscheidungsfreiheit in der eigenen Praxis sowie im Umgang mit den Patienten und dem Team ist ihr auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie enorm wichtig. „Jede freie Minute gehört meinen Kindern“, sagt die zweifache Mama, die mit ihrer Familie in ländlicher Umgebung in Münster lebt. Judith Brockmann liebt Harmonie. Sie setzt auf Menschlichkeit. Und sie möchte Zahnmedizin anders erlebbar machen. Sie darf es. Sie tut es. Und ist glücklich.

Komfortzone und eigener Schatten

Wussten Sie von Anfang an, dass Sie Zahnärztin werden möchten?

Judith Brockmann: Nein, ganz und gar nicht! Mein Weg war nicht vorgezeichnet, ich komme aus einer Lehrerfamilie. Mein Leben besteht aus vielen kleinen Puzzleteilen. Bei manchen dieser Puzzleteilen hatte ich früher den Eindruck, ich würde dafür nie und nimmer ein passendes Gegenstück finden. Rückblickend sehe ich es anders. Und bin sehr glücklich, dass ich mich einst für die Zahnmedizin entschieden habe. Doch ganz egal, um welche Entscheidungen es in meinem Leben geht: Immer wieder werde ich aus meiner Komfortzone rauskatapultiert, immer wieder springe ich über meinen eigenen Schatten – aber nur so wachse ich. Nur so entwickele ich mich weiter. So bin ich. Das bin ich. Und das ist wunderbar.

Inwiefern möchten Sie „Zahnmedizin anders erlebbar“ machen?

Judith Brockmann: Mein wichtigstes Ziel ist, dass Patienten sich wohlfühlen. Alle Zahnärzte machen beispielsweise die Füllungen gleich, auch die Materialien sind dieselben. Was zählt, sind die Werte. Und die kann man nur vorleben, darüber zu reden hilft nicht viel – daher biete ich Zahnmedizinstudenten sehr gerne eine Famulatur an. Ich möchte den angehenden Zahnärzten ein Vorbild sein.

Menschlichkeit und gegenseitiger Respekt

Was ist Ihnen im Umgang mit Ihrem Team wichtig?

Judith Brockmann: Menschlichkeit, Respekt, Hilfsbereitschaft und all die anderen Grundwerte, die eigentlich für uns alle im tagtäglichen Kontakt mit den Mitmenschen selbstverständlich sein sollten. Ich möchte, dass jedes Teammitglied sich entfalten und weiterentwickeln kann. Leider lernt man Führungs- und Psychologiegrundlagen nicht im Studium. Daher bilde ich mich stets fort, indem ich an verschiedenen Fortbildungsangeboten der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe teilnehme.

Sie wohnen in Münster, Ihre Praxis ist in Lienen-Kattenvenne – beeinflusst das Pendeln Ihre Work-Life-Balance?

Judith Brockmann: Nein, überhaupt nicht. Das ist gut so, wie es ist. Die Praxis ist in einer ländlichen Umgebung, da passe ich gut rein, weil ich sehr naturverbunden bin. In der Nähe meiner Praxis gibt es einen sehr schönen Ort – es ist eine unscheinbare Sitzbank inmitten der Natur. Dort kann ich hin und wieder Ruhe und Kraft tanken. Nach dem Arbeitstag genieße ich jede freie Minute mit meiner Familie.

Sie haben erwähnt, dass Sie kurz vor der Praxisübernahme theoretisch auch eine Stelle als angestellte Zahnärztin in Ihrem Wohnort hätten annehmen können…

Judith Brockmann: Ja, da hätte ich sogar ganz entspannt mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren können und hätte keinerlei kaufmännische Verpflichtungen und all die anderen Aufgaben, die man als Selbstständige hat. Doch das wäre nicht mein Weg gewesen. Ich möchte meinen Status nicht hergeben. In meiner eigenen Praxis bin ich frei in all meinen Entscheidungen – selbst wenn es nur um die Wahl der saisonal passenden Deko geht. Mir redet keiner rein. Die Entscheidungsfreiheit ist unbezahlbar!