Marius Eickhoff, 35.

Macher. Freizeitsegler.

Eigene Zahnarztpraxis.

Marius Eickhoff ist Fachzahnarzt für Kieferorthopädie. Seit Anfang 2018 führt der 35-jährige Münsteraner erfolgreich seine eigene Praxis in Rheine. „Mein Ziel war von Anfang an die Selbstständigkeit“, sagt er selbstbewusst. Und er hat gute Argumente dafür: Er wollte selbstbestimmt arbeiten, Behandlungshoheit und finanzielle Unabhängigkeit. Gewiss hatte er vor der Niederlassung auch einige Bedenken. Ebenso gibt er offen zu, dass das erste Jahr nach der Praxisübernahme nicht ganz einfach war. „Aber es zahlt sich aus. Ich bin beruflich angekommen und super zufrieden“, sagt Marius Eickhoff, der in seiner Praxis zehn Angestellte beschäftigt.

„Ich habe es mir von Anfang an zugetraut“

Sie wollten sich schon immer selbstständig machen. Warum?

Marius Eickhoff: Ich kenne das zum einen von meinen Eltern. Auch sie waren selbstständig. Zum anderen musste ich im Angestelltenverhältnis hin und wieder Behandlungen entgegen meiner Überzeugung durchführen und das empfand ich als frustrierend. Es ging nicht nur um ein optimales Therapiekonzept, sondern fing schon bei der Wahl der Materialien an.

Welche Bedenken hatten Sie vor der Praxisübernahme?

Marius Eickhoff: Dass man sich mit der Niederlassung über viele Jahre auf einen bestimmten Ort festlegt. Ich musste im Vorfeld natürlich auch die großen finanziellen Investitionen gründlich durchdenken. Und es gab stets die Frage, ob die Praxis nach der Übernahme so erfolgreich weiterlaufen wird wie bisher. Werden die Patienten mir ihr Vertrauen schenken? Heute kann ich sagen: Ja, das tun sie. Fachlich hatte ich indes keine Bedenken, ich habe es mir von Anfang an zugetraut! Mir steht außerdem der ehemalige Praxisinhaber mit Rat und Tat nun als Angestellter in Teilzeit zur Seite. Bei schwierigen Fällen kann ich auf seine langjährige Erfahrung setzen. Das gibt mir noch mehr Selbstsicherheit.

Effiziente Vorbereitung

Gibt es etwas, was Sie im Nachhinein gern anders gemacht hätten?

Marius Eickhoff: Ja, ich hätte mich schon viel früher und viel effizienter – vielleicht sogar noch an der Uni oder später als angestellter Zahnarzt – auf die betriebswirtschaftlichen Verwaltungsaufgaben vorbereiten sollen. Denn der bürokratische Aufwand ist enorm. Anfangs ist es nicht ganz einfach, die organisatorischen Aufgaben zu managen und bei den vielen Anforderungen durchzublicken. Ich hätte mir an dieser Stelle eine Art konkreten Fahrplan gewünscht. Außerdem hätte ich mich schon vor der Praxisübernahme intensiver mit Personalführung befassen sollen. Sonst hätte ich nichts anders gemacht.

Wie halten Sie Ihre Work-Life-Balance im Gleichgewicht?

Marius Eickhoff: Da muss ich ehrlich sagen, dass das erste Jahr in dieser Hinsicht katastrophal war. Ich hatte deutlich weniger Freizeit, habe meine sozialen Kontakte vernachlässigt. Ob die Gestaltung des Briefpapiers, das Erstellen der Homepage oder die Personalführung. Bei der Menge an neuen Aufgaben hatte ich das Gefühl, es gibt permanent etwas zu tun. Inzwischen ist alles eingefädelt, es läuft. Und es wird besser auch mit der Freizeit. Ich spiele gerne Tennis und Badminton, bin auch ein großer Filmfan. Im Sommer habe ich endlich auch einen Segelschein gemacht. Da ich in Münster wohne, fahre ich fast immer mit der Bahn nach Rheine. Während der Zugfahrt kann ich Nachrichten lesen oder mich ein wenig entspannen. Und ganz wichtig: Man muss sich auch Urlaub gönnen. In der Anstellung fällt das einem leichter. Auch daran musste ich mich in meiner Selbstständigkeit gewöhnen.

„Das Menschliche ist wichtig“

Wie hat sich die Praxisübergabe gestaltet? Haben Sie erprobte Tipps für diejenigen, die ebenfalls eine Praxis kaufen bzw. übernehmen möchten?

Marius Eickhoff: Ich finde es enorm wichtig, dass man sich mit dem „Praxis-Abgeber“ gut versteht. Denn ganz egal, wie gut der Vertrag sein mag, wenn sich eine Partei dabei benachteiligt fühlt, gibt es früher oder später Streit. Das Menschliche ist wichtig – denn es ist wirklich sehr schwierig, alles, wirklich alles, vertraglich zu klären.